Ankunft

Thursday, January 18th 2007, 16:07 by wuz

Mel behauptet ja dass die ersten Frauen die wir gleich nach dem Verlassen der Fähre in Schweden zu Gesicht bekommen haben hässlich waren, ansonsten ist aber alles ganz nett. Unser erster Halt war eine Tankstelle - die Kassiererin war zugegebenermaßen auch keine Helena, unser Auto dafür aber voll getankt. Während der Fahrt wurden wir noch von Schildern wie „Fartkontrol“ (Geschwindigkeitskontrolle) und Elch-Schildern aufgeheitert.

[Mel] Die Fahrt war ziemlich anstrengend, ist aber grundsätzlich gut verlaufen. Wuz war auch schon ziemlich fertig und ist neben mir im Auto beinahe eingeschlafen, das war richtig putzig zu beobachten. Da er zu diesem Zeitpunkt aber noch am Steuer gesessen ist haben wir bei oben erwähnter Tankstelle dann doch einen Fahrerwechsel vollzogen. Probleme gabs dann nur noch als der Regen einsetzte und die Sicht auf ein Minimum reduziert wurde. Dunkel wirds hier übrigens um 16 Uhr herum, um 17 Uhr ist es bereits stockdunkel. Natürlich waren wir dann ziemlich froh als wir endlich um halb 7 herum in Växjö angekommen sind.

[Wuz] Teleborg (südlicher Teil von Växjö in dem sich die Universität befindet) war schnell gefunden, das International Office zu finden war dagegen schon einen Tick schwieriger, also zogen wir herumgehende Passanten zur Rate. Nachdem wir zwei oder drei gefragt hatten wussten wir dann außerdem, dass es in Schweden durchaus extrem hübsche Frauen gibt.

Auf deren Anweisung hin parkten wir direkt vor einem Gebäude das sich später als „Tufvan“ (Sitz der VIS - Växjö International Students und der Student Union) herausstelle sollte. Dort trafen wir Ramona, eine sehr nette VIS-Mitarbeiterin die ursprünglich aus Deutschland stammt und auf dem Weg ins International Office war, wo sie uns auch prompt hinführte. Dieses war direkt in der Uni angesiedelt und sofort fiel uns auf wie viel hübscher hier alles im Vergleich zur TU ist (ich rede von der Uni selber). Im International Office wurden wir gleich herzlich von Maria Eriksson empfangen und mit einer Fülle von Informationen überschüttet und sogar mit einer aufgeladenen SIM-Karte beschenkt. Gleichzeitig stieg die Spannung bezüglich unserer Unterkunft ins Unermessliche. Gleich würde das Schicksal entscheiden ob wir die nächsten 5 Monate zusammen mit einer netten Elchfamilie in der Wildnis oder neben der schwedischen Cheerleadermanschaft verbringen würden.

Fortuna schien uns hold, wir haben Wohnungen am Campus bekommen und sind fast unmittelbare Nachbarn. Ausgestattet mit den Schlüssel und ein paar lustigen Instructionsheets (Toilet: “Clean with a brush all the way down that means below the water surface”; kitchen: “We recommend using Mister Muscle oven cleaner”) ging es dann zu unserem neuen Zuhause für das nächste Semester.

Bis auf das zu kleine Bett machte das Zimmer einen guten Eindruck, wir haben sogar unsere eigene kleine Küchenzeile. Zwar ist die Dusche vom Modell „Paris-Jugendherberge-2000“, das funktioniert hier aber ganz gut. Pluspunkte gibt es auf alle Fälle für die gelungene Armatur auf der Mann die Wassertemperatur in Celsius einstellen kann.

Leider war bei mir der Kühlschrank etwas geschimmelt (noch mal komplett putzen) und ich hatte eine dunkelhaarige Vormieterin, da hat wohl jemand die Cleaning Instructions nicht aufmerksam befolgt.

Der große Schock kam dann als Mel zum ersten Mal sein Notebook in Betrieb genommen hat und das Laden einer simplen Internetseite fast eine halbe Stunde beanspruchte. Wie sich später herausstellte war dies aber ein Einzelfall - die Internetverbindung ist in Wirklichkeit durchaus akzeptabel und ein nettes Heimnetzwerk gibt es auch.

Nach der ersten Ausräumaktion trafen wir vor der Tür Alvaro, einen Spanier, sonst schienen hier nur Schweden und Schwedinnen zu wohnen. Gesprächsthema Nummer eins war natürlich die Unterkunft: Campus ist schon eine feine Sache nur wäre das Studentenheim in der Stadt wo fast alle Exchange-Students landen nicht die partyreichere Wahl, oder ein Korridor mit Gemeinschaftsküche oder anderen common facilities? Das wäre zum kennen lernen doch sicher besser geeignet; unsere Wohnung erinnert doch zu sehr an eine Wohnhausanlage als an ein Studentenheim, nicht mal laute Musik war zu hören. Doch insgeheim wussten wir dass wir es sehr gut getroffen haben, Campus ist schon sehr wichtig (hier sind auch die 2 großen Studentenpubs angesiedelt und zu den Heimparties muss man halt eingeladen werden, oder selber veranstalten).

[Mel] Generell waren wir mit unserer Unterkunft aber doch einmal sehr zufrieden und so gings an diesem Tag nur noch Willy’s, einem riesigen Supermarkt nahe der Uni, wo wir uns mit dem Nötigsten eindeckten. Besteck gabs leider keines zu kaufen - die Suche nach Messer, Gabel und Löffel sollte uns die nächsten Tage lang beschäftigen. Bis wir diese Utensilien hatten mußte Müsli halt aus der Schüssel geschlürft werden.

[Wuz] Den nächsten Tag hatten wir frei und dieser wurde hauptsächlich zum „Auschecken“ der Umgebung verwendet. In den nächsten Tagen folgte das Orientierungsprogramm während den sogenannten Orientation Days.

[Mel] Es war also Donnerstag und wir hatten endlich mal wieder gscheit ausgeschlafen. Zum Mittagessen gingen wir in die Pizzeria am Campus. Die Pizza war .. ähh .. aber wie ich später rausfinden sollte haben sie hier gutes Kebap. Besteck hab ich mir da übrigens auch .. ausgeborgt. Aber psscht!

Es war schon dunkel (also früher Nachmittag) als wir Kalle, meinen schwedischen Buddy, trafen. Er wohnt ganz in unserer Nähe und ist wirklich ein feiner Kerl. In seinem schnittigen uralt-VW-Golf fuhren wir in die Stadt einkaufen. Wuz besorgte sich eine Jacke und Bettwäsche, ich mir eine Fußmatte und Kleiderbügel. Unsere Wohnungen waren halt leider wirklich komplett leer, selbst Duschvorhänge mußten wir uns selbst besorgen. Kalle hat von mir übrigens Mozartkugeln (nona) und ein Ottakringer Bier (das ich glücklicherweise in Wien gekauft hatte) als Geschenk bekommen.

Wir wurden außerdem über den Campus-eigenen DC++ Hub aufgeklärt (Filesharing unter Studenten, sehr schnell, sehr gut sortiert). Abends schauten Wuz und ich noch Serenity, nicht übel aber naja.. überbewertet, würde ich sagen. Dafür allerdings einige gute Dialoge. Naja, whatever. Dann gings ins Bett.

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